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 Boat People

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Mulan
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BeitragVerfasst am: 01.09.2003, 23:39    Boat People Antworten mit ZitatNach oben

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Quelle:http://www.cap-anamur.org

Wer weiß etwas darüber zu berichten?


[Editiert durch Mulan ein Freitag, 5. September 2003 @ 10:15]

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Nugget






Anmeldungsdatum: 21.08.2003
Beiträge: 22
Wohnort: Deutschland/Dortmund



BeitragVerfasst am: 02.09.2003, 03:21    (Kein Titel) Antworten mit ZitatNach oben

Hallo Mulan,

vielleicht könntest du deine Frage etwas konkretisieren. Dann fällt es mir und vielleicht auch den meisten Leuten hier im Forum leichter dir zu antworten Smilie. Möchtest du etwas über die Erfahrung aus dieser damaligen Zeit wissen oder willst du konkrete Informationen über die Cap Anamur II haben oder ähnliches...

gruss,

Nugget

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Mulan
Gast










BeitragVerfasst am: 02.09.2003, 09:36    (Kein Titel) Antworten mit ZitatNach oben

Hallo Nugget,

ich möchte so viel wie möglich über die Boat People erfahren. Es wurde viel berichtet in den Jahren, aber meistens nur aus deutscher Sicht. Nun würde ich gern von "echten" Bootsflüchtlingen, die etwa in den Jahren zwischen 1979 - 1994 Vietnam mit dem Schiff verlassen haben, Berichte lesen.
Diese Menschen werden auch heute oft noch als Wirtschaftsflüchtlinge dargestellt, aber das ist nicht so, denn sie wären in Umerziehungslagern gebracht worden oder hätten Schlimmeres erleiden müssen. Sie flohen nicht nur, um in Amerika und Deutschland ein schönes, neues Leben zu erhalten.
Rupert Neudeck hat mit seinem Rettungsschiff "Cap Anamur" so vielen Menschen das Leben gerettet, dass ich auch daran erinnern möchte.

Nun, ich bin keine Vietnamesin und war niemals in dieser grausamen Notlage, doch als kleines Kind haben sich mir diese täglichen Bilder aus den Nachrichtensendungen tief in mein Gedächtnis eingebrannt.

Deshalb möchte ich hier alle sogenannten "Boat People" um ihre Erlebnisse bitten. Ihr Leiden wird oft verniedlicht und gerät immer mehr in Vergessenheit.

~Mulan~


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Mulan
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BeitragVerfasst am: 02.09.2003, 09:50    (Kein Titel) Antworten mit ZitatNach oben

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(Quelle: http://www.cap-anamur.org)



[Editiert durch Mulan ein Freitag, 5. September 2003 @ 10:06]
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Heidi






Anmeldungsdatum: 25.04.2003
Beiträge: 33
Wohnort: München



BeitragVerfasst am: 02.09.2003, 20:23    (Kein Titel) Antworten mit ZitatNach oben

Hallo Mulan,

ja, das ist ein Problem in unserer Zeit: Eine Tragödie hier, eine da, in diesem Land ein paar Tausend Flüchtlinge, in einem andern noch mehr... Es wird irgendwie kaum noch richtig wahrgenommen, dass das doch alles Menschen sind, Menschen wie du und ich!

Und es ist so einfach, zu sagen: Ach, die sind doch selber schuld, die haben schließlich auch Fehler gemacht! Ich finde es prima von dir, dass du da anders denkst und nachfragst. Ich bin überzeugt, solches Elend wie damals auf dem südchinesischen Meer hat niemand verdient. Ich war zu dieser Zeit kein kleines Kind mehr (Jahrgang 1962), also habe ich das doch bewusster miterlebt. Vor allem die Weigerung vieler Länder, Flüchtlinge aufzunehmen. Die Cap Anamur musste ihre Mission aufgeben, weil die deutsche Regierung sich außerstande sah, die Geretteten aufzunehmen. Aus wirtschaftlichen Gründen. Es gab ohnehin schon zu viele Arbeitslose. Und tatsächlich war die Arbeitlosenquote damals höchstens halb so hoch wie heute! Da hätte man theoretisch auch die Wiedervereinigung verbieten müssen... (Nichts gegen euch Ossis, so ist das nicht gemeint!)

Man kann über Südvietnam sagen was man will: Diese Tragödie sollte nicht verharmlost werden. Da haben keineswegs nur ein paar Kriegsverbrecher und Kriegsgewinnler ihre gerechte Strafe bekommen, es sind Tausende von unschuldigen Opfern im Meer umgekommen. Und die Haltung der westlichen Länder war auch nicht gerade vorbildlich: Zwar wurden die Flüchtlinge gern als Beweis für das Versagen des Kommunismus benutzt, aber mit offenen Armen aufgenommen wurden sie deshalb nicht, im Gegenteil!

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Mulan
Gast










BeitragVerfasst am: 03.09.2003, 10:55    (Kein Titel) Antworten mit ZitatNach oben

[b]Eine neue Menschenkategorie: Die Bootsflüchtlinge[/b] Teil 1

Bevor es den Gedanken an ein Rettungsschiff gab, gab es ein katastrophal anschwellendes Flüchtlingsproblem aus Vietnam. Plötzlich wimmelt im Herbst 1978, sich dann bis in die Sommermonate des Jahres 1979 steigernd, das Südchinesische Meer von Flüchtlingen aus Vietnam. Dieses Land, das man sich gerade aufatmend zu vergessen angewöhnt hatte (zumindest seit dem Fall Saigons im Mai 1975), fing wieder einmal an, uns alle zu beunruhigen, die Nachrichten und Schlagzeilen zu beherrschen.

Quelle: Rupert Neudeck, Die letzte Fahrt der Cap AnamurI, Verlag Herderbücherei

Fortsetzung folgt....


[Editiert durch Mulan ein Freitag, 5. September 2003 @ 10:20]

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Mulan
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BeitragVerfasst am: 03.09.2003, 15:19    (Kein Titel) Antworten mit ZitatNach oben

Die Bootsflüchtlinge Teil 2

Am 15. Oktober 1978 lief ein altes, nicht mehr ganz flottes 1586-Tonnen-Schiff, ein Frachter mit dem Namen "Hai Hong" aus dem Hafen Singapur aus. In seinem Dokument, unterschrieben und gestempelt von der Hafenbehörde, steht, dass der Frachter die übliche Schifffahrtslinie auf dem Weg nach Hongkong nehmen wird. An Bord des Schiffes der indonesische Kapitän Susun Serigar, der 15 Landsleute für die Crew angeheuert hatte, als Passagiere nur die Singapur-Chinesen Lee Sa und Lee Kian Yap. Das Frachtschiff ging leer, ohne Fracht aus Singapur heraus. Nur 13 Tage vorher war es für 125000 Dollar von der Guan Shipping Line Ltd. an den neuen Eigner, die "Rosewell Maritime Co.", eine Firma in Hongkong, verkauft worden. Rosewell hatte das Schiff durch die Maklervermittlung von Vitimex Import und Export bekommen.
Der mächtige Agent und alte Singaporeaner, Tay Kheng Hong, hatte für die "Hai Hong" eine Panama-Flagge für eine Gebühr von 4600 Dollar besorgt. Der Panamesische Generalkonsul in Singapur hatte eingewilligt und so fuhr die "Hai Hong" ab 9. Oktober 1978 dann unter Panama-Flagge.
Dieses Schiff mit dem Namen "Hai Hong", das wusste zu dem Zeitpunkt natürlich niemand, sollte in den nächsten Monaten Weltpolitik, nachträglich gesagt: Geschichte machen.
Für das deutsche Publikum zumindest fängt die Geschichte der BOAT-PEOPLE(dieser englische Ausdruck bürgerte sich auch in Deutschland ein) mit dem Schiff "Hai Hong" an.

Kommt man in Niedersachsen herum, wird man noch viele der Flüchtlinge von der "Hai Hong" wiederfinden.

Fortsetzung folgt....

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http://www.griffith-h.schools.nsw.edu.au



[Editiert durch Mulan ein Freitag, 5. September 2003 @ 10:04]

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Mulan
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BeitragVerfasst am: 03.09.2003, 15:53    (Kein Titel) Antworten mit ZitatNach oben

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Quelle: http://www.library.ubc.ca



[Editiert durch Mulan ein Freitag, 5. September 2003 @ 10:07]

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Mulan
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BeitragVerfasst am: 03.09.2003, 17:21    (Kein Titel) Antworten mit ZitatNach oben

Die Bootsflüchtlinge Teil 3

Kaum war die "Hai Hong" aus dem Hafen heraus, änderte sie blitzschnell ihren Kurs. Sie nahm Kurs auf die vietnamesische Küste, denn sie hatte gar nicht die Absicht, nach Hongkong zu fahren und dort zu laden. Sie hatte vor, in Vietnam die heißeste Ladung an Bord zu nehmen, die es in dieser Region überhaupt gibt: vietnamesische Flüchtlinge.
Der entscheidende Mann bei diesem Fluchtgeschäft war Tay Kheng Hong, ein ethnischer Vietnamese, der kurz vorher einen weiteren Frachter, die "Southern Cross", organisiert hatte. Mit der "Southern Cross" hatte Tay einige Wochen vorher 1250 Flüchtlinge aus Vietnam herausgebracht. Er hatte für diese "heiße Ladung" 500 000 Dollar, eine halbe Million Dollar, bekommen.

Fortsetzung folgt.....

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Mulan
Gast










BeitragVerfasst am: 03.09.2003, 17:53    (Kein Titel) Antworten mit ZitatNach oben

Die Bootsflüchtlinge Teil 4

Nun war unser Interesse damals zumal durch Bilder vom Fernsehen ganz stark auf dieses große Schiff "Hai Hong" fixiert, damit natürlich auch auf den Faktor Flüchtlingshandel, den es auch in Mitteleuropa zwischen Deutschland Ost und Deutschland West gab.
Wo immer es unglückliche Menschen gibt, die unbedingt aus einem Land heraus wollen, das sie gar nicht oder nicht problemlos gehen lassen will, dort wird es immer wieder einen Handel geben. Man muss die Dinge auch realistisch sehen: Diese Menschen wollen in der Regel in jedem Fall fliehen; entweder sie finden einen Platz auf einem größeren Schiff - zumal wenn sie genügend Geld haben, ist das zu der Zeit noch ein Weg gewesen - oder sie gehen auf einem winzigen Fischerboot heraus, wo sie dann in Gefahr sind zu ertrinken, eher zu ertrinken, als auf einem Frachter wie der "Hai Hong".
Kurz: Die "Southern Cross" hatte es geschafft, war ohne größere Verdachtsmomente auf den indonesischen Anambas-Inseln gelandet.

Fortsetzung folgt...

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Quelle: http://www.cic.gc.ca



[Editiert durch Mulan ein Freitag, 5. September 2003 @ 10:10]

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Mulan
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BeitragVerfasst am: 03.09.2003, 20:38    (Kein Titel) Antworten mit ZitatNach oben

Die Bootsflüchtlinge Teil 5

Die Flüchtlingsbewegung wird von Tag zu Tag mächtiger, die Zahlen alarmieren die Weltöffentlichkeit. Vorher in all den Jahren von 1975 an (also dem Jahr, in dem Südvietnam und Saigon endgültig unter den Angriffen der Vietcong zusammenbrachen und sich praktisch ergeben mussten), gab es immer wieder einzelne, die gezwungen waren, herauszugehen; die ein weiteres Leben unter der beginnenden Unterdrückung vermeiden wollten. Es gab einzelne Fluchtgeschichten, die unter den Korrespondenten Südostasiens die Runde machten, aber kaum einmal ihren Weg nach Europa oder in die USA fanden.
Da gab es drei ehemalige kommunistische Kader, die mit ihren Familien und Freunden auf einem Stahl-Schiff mit Namen "Song Be 12" der Küste und den Wachen entfliehen konnten und tatsächlich die Seereise von 3000 Meilen nach Australien schafften.
Mancher andere Fluchtwillige musste noch sehr viel primitiver vorgehen, wie z.B. ein 51 jähriger Geschäftsmann mit Namen Nguyen Van Phong, der in Saigon (oder, wie es seit Mai 1975 hieß: Ho Chi Minh City) drei Monate brauchte, um mit seinen drei Söhnen ein Floß zusammenzubauen. Er hatte einige Trommeln und metallene Ketten sowie Holzstäbe, die er zu einem veritablen Floß zusammen bastelte mit einer kleinen Kabine obenauf und zwei winzigen Motoren, die dem Floß eine mittlere Geschwindigkeit von sechs Seemeilen die Stunde gaben.
Schon im September 1975 floh Nguyen Van Phong - ein Vorbote gleichsam der großen Welle von flüchtenden Boat People - mit seinem Floß und insgesamt 14 Leuten, darunter ein Baby von drei Monaten.
Sie befanden sich schon 175 Meilen außerhalb der vietnamesischen Küste, als sie ein japanischer Frachter aufnahm.
Diese Einzelfälle wurden als sensationell und geradezu heroisch registriert, aber niemand hätte angenommen, dass über diese einzelnen Fluchtboote hinaus späterhin in den Jahren 1979 ff. die Fluchtbewegung wirklich massenhaft werden sollte.

Fortsetzung folgt...


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Quelle: http://www.bayern-evangelisch.de



[Editiert durch Mulan ein Freitag, 5. September 2003 @ 10:12]

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Mulan
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BeitragVerfasst am: 04.09.2003, 07:40    (Kein Titel) Antworten mit ZitatNach oben

Die Bootsflüchtlinge Teil 6

Schon frühzeitig gab es Menschen, die aufgrund ihrer vormaligen Position im alten Süd-Vietnam oder bei der amerikanischen Armee in Süd-Vietnam, Verfolgung zu befürchten oder schon zu erleiden hatten und deshalb alles taten, um herauszukommen - die dabei auch mehrere Fluchtversuche in Kauf nehmen mussten. So im Falle von Nguyen Thanh Dung, einem ehemaligen Offizier der südvietnamesischen Armee, der auch mit dem amerikanischen Geheimdienst zusammengearbeitet hatte. Er zahlte Geld für zwei Boote, um zu entfliehen, eines für sich, ein anderes für seine Familie. Diese beiden Boote sollten sich außerhalb der Küste auf See treffen, aber aus Gründen, die niemand kannte, trafen sie sich nicht.
So ging der Offizier alleine auf die Reise, kam an der thailändischen Küste an - ohne seine Familie, die aufgrund der widrigen Wetterverhältnisse auf dem Meer wahrscheinlich ertrunken war.
"Manchmal meine ich, ich werde noch verrückt werden ohne meine Familie", sagte er Besuchern in Songhkla, wo er gestrandet war.

Fortsetzung folgt...

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Quelle: http://www.cordair.com



[Editiert durch Mulan ein Freitag, 5. September 2003 @ 10:13]

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Mulan
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BeitragVerfasst am: 04.09.2003, 20:47    (Kein Titel) Antworten mit ZitatNach oben

Die Bootsflüchtlinge Teil 7

Was es auch schon in diesen ersten Jahren 1975 bis 1977 gab, waren Auseinandersetzungen mit der Küstenwache oder sogenannten Fischersleuten, die ebenfalls bewaffnet waren und den Auftrag hatten, zugleich neben ihrem Job zu patrouillieren. So ging ein kleines Boot in der Küstenstadt Vung-Tau (ein Name der mit der Fluchtbewegung aus Vietnam verbunden ist, wie Friedland mit den Flüchtenden und Aussiedlern aus Osteuropa) im Juni 1976 heraus: 30 Personen, darunter drei Kleinkinder. Dieses Boot war von einem anderen Fluchtboot begleitet mit insgesamt 60 Menschen an Bord. Zwei Nächte nach dem Beginn der Fluchtreise kam ein Fischerboot längsseits und fragte, wohin sie denn fahren würden. Als sie Auskunft gaben, zogen die Fischersleute ihre M-16-Gewehre heraus und zwangen alle 90, auf das viel größere Fischerboot umzusteigen. Dann später gegen 2 Uhr in der Nacht konnte ein Flüchtling eine der Wachen auf dem Fischerboot bestechen: gegen Gold gab er ihm das M-16-Gewehr. Zugleich wollte er mit einem anderen Fischerboot fliehen. Dann begann sehr schnell ein Kampf, bei dem in der Hitze des Gefechts die Vietcong-Fischerleute sämtlich entweder getötet oder über Bord geworfen wurden. Die insgesamt 92 setzten ihre Flucht nach Thailand fort und kamen in dem Hafen Songhkla an. In diesen Jahren war noch keine Rede von Piraten als einer Gefahr für die Flüchtlinge, jedenfalls gibt es bis dahin keinen einzigen Bericht von Flüchtlingen über Plünderungen oder Mordfälle durch Piraten im Golf von Thailand.

Fortsetzung folgt...

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Quelle:http://www.racismnoway.com.au



[Editiert durch Mulan ein Freitag, 5. September 2003 @ 10:17]

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kim
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BeitragVerfasst am: 04.09.2003, 23:07    (Kein Titel) Antworten mit ZitatNach oben

Im nächsten Jahr gibt ein "25 Jahre Cap Anamur"-Feier zur Ehre von Dr. Neudeck + Co.

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Mulan
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BeitragVerfasst am: 14.09.2003, 20:07    (Kein Titel) Antworten mit ZitatNach oben

Die Bootsflüchtlinge Teil 8

Seit dem Regimewechsel 1975 gab es auch Vietnamesen, die jeden möglichen Misserfolg in Kauf nahmen, mehrmals zu fliehen versuchten und dabei oft eine saftige Gefängnisstrafe zu verbüßen hatten. So im Falle einer vietnamesischen Rechtsanwältin, die schon von 1975 an zu fliehen versuchte.
Der erste Versuch fand gleich im Juli 1975 statt. Eine Gruppe Flüchtlinge ging bei Nha Trang heraus, aber der Kapitän des kleinen Bootes war zu vorsichtig, er fürchtete die Entfernung bis zu den Phillippinen, drehte zur Küste ab. 1976 ging die Rechtsanwältin erneut heraus mit einem anderen Boot, dessen Motor aber nicht richtig arbeitete. 1977 nach ihrem dritten Versuch, wurde sie in Rach Gia festgenommen und für acht Monate hinter Schloss und Riegel gesteckt. Nach ihrer Entlassung aus dem Gefängnis wollte sie sofort einen neuen Versuch unternehmen. Da sie nunmehr kaum noch Geld hatte, tat sie sich mit einigen anderen Fluchtwilligen zusammen: Die Gruppe besorgte sich ein 30-Fuß-Boot. Um die Flucht minutiös vorzubereiten und nicht wieder in die Fallen des Küstenpolizei zu tappen, ließ man ein kleines Boot allein den Saigon-Fluss herunterfahren, um die Polizeiposten und Checkpoints zu erkunden. Im Mai 1978 gab es auf dem Fluss von Ho Chin Minh City bis zum Meer insgesamt 7 Checkpoints der Polizei. Die Flüchtlinge änderten von Posten zu Posten das äußere Erscheinungsbild des Bootes, so dass der eine Posten im Grunde keine Nachricht an den nächsten weitergeben konnte. Außerdem: das Fluchtboot hatte zwei Motoren, einen mit 5 - einen zweiten mit 20 PS. Kurz vor dem jeweils nächsten Polizeiposten wechselten sie den Motor, fuhren mit dem schwächeren (5 PS), versteckten den anderen (20 PS), der auf die geplante Fluchtreise hinweisen konnte. So gelang es, dass sie dem Fluss, den Polizeiposten, dann schließlich auch den Küstenwachen und den Territorialgewässern Vietnams entweichen konnten.
Auf See aber merkten sie, dass sie keine Orientierung hatten, weil sie vergessen hatten, irgendeine wenn auch noch so primitive Seekarte mitzunehmen. Sie hatten Glück im Unglück: ein Frachtschiff wies ihnen den Weg zur malaysischen Küste...

Fortsetzung folgt...

(Quelle: Die letzte Fahrt der Cap AnamurI von Rupert Neudeck)



[Editiert durch Mulan ein Sonntag, 14. September 2003 @ 21:11]

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