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 Polizei Vietnams

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Catinat
Gast










BeitragVerfasst am: 13.11.2013, 21:16    Blindgut Antworten mit ZitatNach oben

« Saatgut » hat folgendes geschrieben:
"blinder Eifer schadet nur" wie es so treffend bei Schiller heißt.


Wie sooft schon, ist auch diesmal bei Sattgut wieder einer seiner typischen Fehler festzustellen.

Die Redensart – es handelt sich nicht um ein „Sprichwort“, auch wenn es fast ueberall so steht und so uebernommen wird, sondern um eine Redensart ! – stammt nicht von Johann Christoph Friedrich von Schiller (1759 – 1805).
Staatsgut bringt da wieder mal einiges durcheinander .

Bei Schiller antwortet in seinem „Don Carlos“, der Koenig den ich uebrigens als historische Figur vorhin im Thread „Meine Lieblingsstadt in Vietnam“

http://www.forum-vietnam.de/go/viewtopic.php?p=69563#69563

erwaehnt habe, auf des beratenden Priesters Domingo mit dessen Befuerchtungen (3.Akt, 4. Auftritt) : „Wirklich? Das gute Herz - Ihr habt ganz recht vermutet, weswegen ich Euch rufen ließ. Ihr sollt aus diesem dunkeln Labyrinth mich fuehren,worin ein blinder Eifer mich geworfen. Von Euch erwart ich Wahrheit. Redet offen mit mir. Was soll ich glauben, was beschliessen? Von Eurem Amte fordr ich Wahrheit.“
Also : Senfgut zitiert unrichtig.

Die Redewendung „blinder Eifer schadet nur“ stammt von Magnus Gottfried Lichtwer (1719 – 1783), aus seinem Gedicht „Die Katzen und der Hausherr“ , an das ich mich noch so erinnere :

„Tier und Menschen schliefen feste, selbst der Hausprophete schwieg. Als ein Schwarm geschwaenzter Gaeste von den naechsten Daechern stieg. In dem Vorsaal eines Reichen stimmten sie ihr Liedchen an, so ein Lied, das Stein erweichen und Menschen rasend machen kann.Hinz, das Murners Schwiegervater, schlug den Takt erbaermlich schoen, und zwei abgelebte Kater quaelten sich, ihm beizustehn. Endlich tanzten alle Katzen, poltern, laermen, dass es kracht, zischen, heulen, sprudeln, kratzen, bis der Herr im Haus erwacht. Dieser springt mit einem Pruegel in dem finstern Saal herum, schlaegt um sich, zerstoesst den Spiegel, wirft ein Dutzend Schalter um,stolpert ueber einge Spaene, stuerzt im Fallen auf die Uhr und zerbricht zwei Reihen Zaehne, blinder Eifer schadet nur.“

Was soll man nur von einem Blindgut und seinen ernsthaft gemeinten Beitraegen halten, wenn sie, wie hier am simpelsten Beispiel , einfach nur wieder fehlerhaft sind ?

Gruesse, Catinat

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Florian




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Anmeldungsdatum: 02.02.2005
Beiträge: 1920


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BeitragVerfasst am: 13.11.2013, 21:25    (Kein Titel) Antworten mit ZitatNach oben

« Courti » hat folgendes geschrieben:
bitte auch beleidigende Mutmassungen in Zukunft unterlassen (Atersstarrsinn).


Danke Courti, aber keine Sorge, da müssen schon noch ein paar Jahrzehnte ins Land gehen bis ich mich davon angesprochen, geschweige denn beleidigt fühle Lachen

Saatgut, es ist ja nett dass du dir alle Mühe gibst, mit weiteren Beiträgen zu Streetfood, Weihnachtsgeschenken etc. meine Feststellung zu fehlendem Sinn und Substanz zu bestätigen, aber das wäre echt nicht nötig gewesen.

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Saatgut
Gast





Anmeldungsdatum: 06.10.2013
Beiträge: 153


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BeitragVerfasst am: 13.11.2013, 22:29    (Kein Titel) Antworten mit ZitatNach oben

Lieber Florian, nun bezieh mal nicht Alles auf dich, sei also mal etwas weniger egozentrisch, so es dir gelingt.
Vergiss bitte nicht, dass hier noch einige andere Foristen und Gäste unterwegs sind, für die es sich durchaus lohnt zu schreiben. Aufklärung ist nämlich bitter nötig, gerade beim deutschsprachigen Menschen, die nicht selten recht unreflektiert sind.

Lieber catinat, ja es ist ein Ausspruch Lichtwers, da haste ausnahmsweise mal recht.
Habe da an verstärkt an Schillers Ausspruch "gefährlich ist den Leu zu wecken .... - dabei kam es zu einer temporären Überlagerung, nota bene! Smilie -
gedacht und mir überlegt, dass ja eigentlich bürgerlicher Wahn eine ausgeprochen schädliche/unbrauchbare/unvernünftige Sache ist, um`s mal moderat auszudrücken, - gell.
Winken

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Hoi An
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Anmeldungsdatum: 09.05.2012
Beiträge: 234


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BeitragVerfasst am: 24.04.2014, 16:10    (Kein Titel) Antworten mit ZitatNach oben

Am 03.04. hat das "Volksgericht" von Stadt Tuy Hoa (Provinz Phu Yen) die 5 Ex-Ermittlungsbeamten Thành zu 5 Jahren Haft, Leutnant Quyền zu 2 Jahren Haft, Oberleutnant Mẫn zu 18 Monaten Haft, Leutnant Quang zu 15 Monaten zur Bewährung und Leutnant Huy zu einem Jahr zur Bewährung wegen Todschlag verurteilt. Außerdem sollen die Verurteilten auch noch Unterhaltungskosten für die beiden Kinder ihres Opfers monatlich jeweils 570.000 Dong zahlen.

Der Anklage zufolge soll Kiều (das spätere Opfer) am 12.05.2012 zusammen mit seinen Komplizen Sơn und Cường in das Haus von Frau Thuan eingebrochen und Gelder in Höhe von 14 Mio. Dong sowie 5 Handys entwendet haben. Das Trio wurde bemerkt, konnte dennoch fliehen. Am nächsten Tag wurden Sơn und Cường von der Polizei festgenommen. Bei der Vernehmung gaben sie an, zusammen mit Kiều noch 7 weitere Diebstähle verübt und Wertsachen in Höhe von 1,3 Milliarden Dong entwendet zu haben. Daraufhin ließ Lê Đức Hoàn, Vize-Polizei-Chef von Stadt Tuy Hòa, Kiều festnehmen. Bei der Vernehmung haben die 5 Ermittler mit Gummiknüppel abwechselnd auf den am Stuhl gefesselten verdächtigten Kiều geschlagen. Nach der Mittagspause ging die Folterung weiter, diesmal wurde vom Ermittler Thành allein ausgeführt und immer auf den Kopf des Opfers geschlagen.

Kurz später ordnete der Vize-Polizei-Chef die Überführung von Kiều in sein Büro für weitere Vernehmung an. Aber hier wies Kiều Ermüdungssymptome auf und wurde gegen 17:40 Uhr ins Krankenhaus gefahren. Doch Kiều starb noch auf der Überfahrt. Gerichtsmediziner von Phu Yen stellten die Todesurkunde mit "Gehirnerschütterung" als Ursache aus.

Das Gerichtskomitee verhängte 5 Jahre Haft gegen den Ex-Beamten Thành, weil dieser mit dem Gummiknüppel auf den Kopf von Kiều geschlagen und dadurch die "Gehirnerschütterung" verursacht habe. Andere Ermittler hätten in der Zeit zwischen 8:00 bis 12:30 Uhr nur auf andere Körperteile geschlagen und dadurch nur "Weichteile" (Ober- und Unterschenkel) verletzt und somit den Tod von Kiều nicht herbeigeführt. Daher nur Bewährungsstrafe. Das Richterkomitee ist ebenfalls der Meinung, die Festnahme von Kiều aus Veranlassung des Vize-Polizei-Chefs sei zwar rechtlich gesehen falsch, und sein fahrlässiges Handeln habe zwar zu dem Tod von Kiều geführt. Dennoch reiche die Fahrlässigkeit noch nicht aus für eine strafrechtliche Ermittlung gegen den Ermittlungsleiter.

Dem Obduktionsbericht zufolge wies der Körper des getöteten Kiều jedoch 72 Verletzungen auf. Die meisten Verletzungen waren im Bereich Gehirn, Herz, Lunge, Leber, Nieren, Magen, Dünndarm, Dickdarm und sogar Hoden. Diese Innenorgane waren angeschwollen und wiesen Prellungen auf. Aber die Todesursache sei laut Gerichtsmediziner jedoch nur allein durch die Gehirnerschütterung. Familienangehörige des Opfers erschienen im Gerichtssaal in Trauerkleidung und mit Fotos von der Obduktion.

In Vietnam ist das Foltern vom Gesetz her erlaubt, wie Parlamentsabgeordnete Lê Thị Nga -stellv. Leiterin für Justizangelegenheit- im Zusammenhang mit diesem umstrittenen Prozess klargestellte: "Foltern beim Verhör darf nur von den Personen ausgeführt werden, die den Auftrag zur Untersuchung, Ermittlung, Anklage oder Vollstreckung bekommen haben. Das ist ein Punkt, auf den die Staatsanwaltschaft immer mit großer Aufmerksamkeit schenken muss, um herauszufinden, ob sich Polizeibeamte wegen Folterung sich zu Schulden gemacht haben“.

"Aufgrund dieser Regelung hätten die Richter vor dem Prozess überprüfen müssen, ob die 5 Angeklagten den Ermittlungsauftrag (also den Auftrag zum Foltern) bekommen hatten. Haben sie ohne Auftrag gehandelt, dann ist das Mord“, schrieb VietnamNet.

Im November 2013 hat die vietnamesische Regierung die UN-Antifolterkonvention unterzeichnet.

Die Öffentlichkeit war über das Gerichtsurteilt entsetzt. Mittleweile hat Staatspräsident Truong Tan Sang die Oberste Staatsanwaltschaft angeordnet, die verhängte Strafe für die Ex-Polizisten zu überprüfen.

Fast zur gleichen Zeit (08.03.) hat die 2. Instanz des "Volksgerichts" von HoChiMinh-Stadt die Todesstrafe gegen Hồ Duy Trúc wegen Raubüberfall trotz Gnadengesuch seines Opfers bestätigt. Truc wurde vorgeworfen, beim Raubüberfall seinem Opfer Schwerverletzungen zugefügt zu haben. Am 24.11.2012 machte Truc sich nach einer Sauftour mit Freunden auf die Suche nach Opfer für einen Raubüberfall und fand schließlich Frau Thuy mit dem Motorroller auf der Fahrt in Richtung Distrikt 2. An einer abgelegenen Stelle holte sein Komplize Frau Thuy ein, und vom hinteren Sitz hackte Truc mit einem Schwert dreimal auf die Hand seines Opfers. Trau Thuy fiel mit ihrem Fahrzeug zu Boden. Truc sprang vom Moped, versuchte den Roller zu rauben, doch der Motor sprang nicht an. Daraufhin ergriff er die Flucht ohne Beute. Die Hand von Frau Thuy wurde bei dem Raubüberfall durchtrennt, konnte glücklicherweise wieder zusammengenäht werden.

Truc bat um eine mildere Strafe, als er im Schlusswort sagte: "Das Strafmaß ist zu hoch. Ich bereue für meine Tat zutiefst. Außerdem hat meine Familie das Opfer bereits Schadenersatz gezahlt und Frau Thuy (das Opfer) hat selbst die Anklage zurückgezogen". Trotzdem hielt das Richterkomitee die Todesstrafe für angemessen. Das Todesurteil solle zur Abschreckung dienen, augmentierten die Richter. Jetzt kann nur noch der Staatspräsident Truong Tan Sang die Vollstreckung seiner Todesstrafe verhindert werden.

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Saatgut
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Anmeldungsdatum: 06.10.2013
Beiträge: 153


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BeitragVerfasst am: 24.04.2014, 16:55    (Kein Titel) Antworten mit ZitatNach oben

Danke Hoi An für diesen ausführlichen Bericht. Ich habe den Eindruck, dass die Strafen durchaus gerecht und angemessen sind. Ich nehme sie daher mit Genugtuung zur Kenntnis.
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Dr. Who
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Anmeldungsdatum: 26.01.2012
Beiträge: 45
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BeitragVerfasst am: 24.04.2014, 20:56    (Kein Titel) Antworten mit ZitatNach oben

Zitat:
Am 24.11.2012 machte Truc sich nach einer Sauftour mit Freunden auf die Suche nach Opfer für einen Raubüberfall und fand schließlich Frau Thuy mit dem Motorroller auf der Fahrt in Richtung Distrikt 2. An einer abgelegenen Stelle holte sein Komplize Frau Thuy ein, und vom hinteren Sitz hackte Truc mit einem Schwert dreimal auf die Hand seines Opfers. Trau Thuy fiel mit ihrem Fahrzeug zu Boden. Truc sprang vom Moped, versuchte den Roller zu rauben, doch der Motor sprang nicht an. Daraufhin ergriff er die Flucht ohne Beute.


Habe damals diesen Raubüberfall auf VNexpress gelesen. In Saigon mehren sich schon so Raubdelikte vom Moped aus aber dieses war brutal. Man muss sich schon umsehen wenn man alleine auf dem Moped in einer abgelegenen Gegend oder wenig befahrende Strasse ist.

Zitat:
Trotzdem hielt das Richterkomitee die Todesstrafe für angemessen. Das Todesurteil solle zur Abschreckung dienen, augmentierten die Richter


Das Strafmass ist sicherlich etwas zu hoch aber durchaus angemessen wie ich finde.
Das Opfer hätte verbluten können, dies wurde in Kauf genommen.

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deloubresse
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Anmeldungsdatum: 01.08.2013
Beiträge: 1886


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BeitragVerfasst am: 25.04.2014, 05:43    (Kein Titel) Antworten mit ZitatNach oben

In der USA würde er die gleiche Strafe auch bekommen .
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wildgoose
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Anmeldungsdatum: 24.07.2007
Beiträge: 902
Wohnort: Wien - Ho Chi Minh City


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BeitragVerfasst am: 25.04.2014, 11:43    (Kein Titel) Antworten mit ZitatNach oben

« Dr. Who » hat folgendes geschrieben:
In Saigon mehren sich schon so Raubdelikte vom Moped aus aber dieses war brutal.


Raubüberfälle dieser Art nehmen in Vietnam, vor allem im Bereich der grossen Städte, massiv zu. Ich kenne mehrere Fälle, wo der Soziusmann am heranfahrenden Motorbike mit dem Messer dem Opfer mehrfach in die Nieren sticht. Das Opfer kommt zu Sturz, und alles incl. Motoribike wird geraubt. Das Opfer wird dann iegengelassen.

Mitterlweise gibt es bereits sogenannte Selbsthilfegruppen in Vietnam, die Jagd auf solche Verbrecher machen. Diese sind in Vietnam unter dem selbstgegebenen Namen Street Knights bekannt.

Das war nicht immer so. Aber es ist sichtbar, dass kriminelle Aktivitäten immer mehr, besser und brutaler werden. Die Polizei ist da teilweise vielleicht überfordert, weil sich die kriminellen Strukturen (die nach europäischen "Normen" zwar noch gering sind) rasch verbessern.

Aber ohne eine gut geschulte Polizeikraft gehen jegliche Bemühungen nach hinten los. Leider.

lg, Paul

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swr
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Anmeldungsdatum: 19.12.2014
Beiträge: 374
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BeitragVerfasst am: 29.01.2015, 06:27    (Kein Titel) Antworten mit ZitatNach oben

Ja, klar.
"Unglücklich gefallen."
Das also jetzt auch hier.
Dachte immer, es sei eine BRD-Spezialität.
http://www.thanhniennews.com/society/vietnam-court-annuls-verdict-in-fatal-attack-linked-to-cops-38142.html
Aber insgesamt der nette Versuch einer Milieustudie.

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Hoi An
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Anmeldungsdatum: 09.05.2012
Beiträge: 234


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BeitragVerfasst am: 17.07.2015, 16:15    (Kein Titel) Antworten mit ZitatNach oben

Zum 90jährigen Bestehen der so genannten „Revolutionär-Zeitung“ versprach PM Nguyen Tan Dung in seiner Rede, günstige Voraussetzungen für die Berichterstattungen zu schaffen. Der 1. Mann der Regierung bekräftigt: "Die Partei und Staat sind sich stets bewusst von der Rolle der Presse. Wir unterstützen und werden daher günstige Voraussetzungen schaffen, damit Zeitungen ihre Aufgaben gut erfüllen und sich weiter entwickeln können".

PM Nguyễn Tấn Dũng zeigte zugleich die Verständnisse für die Probleme der Zeitungmacher: "Ich weiß, dass Zeitungen heute auf der einen Seite ihre politischen Aufgaben erfüllen, auf der anderen Seite aber sich in der freien Wirtschaft hart konkurrieren müssen, um selbst Einnahmen zu erwirtschaften und sich weiterzuentwickeln. Ich weiß auch, dass Verwaltungsämter (Zensurbehörden) einerseits die Führungsrolle der Partei aufrechterhalten müssen, indem sie die Presse dem Staat gegenüber überwachen, andererseits aber Pressefreiheit, Meinungsfreiheit und Informationsrecht des Volkes gemäß der Verfassung gewährleisten müssen. Ich bin jedoch überzeugt, dass Sie, Genossinnen und Genossen, durch die Praxis bestimmt eine Antwort auf Ihre schwierige Lage kennen. Daher bitte Sie, Vorschläge an die Partei und den Staat zu machen, damit wir entsprechende Maßnahmen ergreifen und damit Zeitungen sich weiterentwickeln und wachsen können".

Fast zur gleichen Zeit des 90jährigen Zeitungsjubiläums wurde ein Reporter von der Zeitung "Tuổi trẻ Thủ đô" von Polizisten der Gemeinde Văn Quán (Hà Nội) schwer misshandelt. Zeitungsberichten zufolge hätte Reporter Đạt zusammen mit Reporter Long und Đức von anderen Zeitungen die "Beamten" bei der Arbeit beobachten wollen, als plötzlich ein uniformierter Polizist auf Herrn Đạt zuging und ihm den Arm verdrehte. Dann erschienen 7-8 tätowierte wie Kriminelle aussehende Männer und griffen Herr Đạt an. Anschließend packten den Reporter mit Gewalt in Kabine eines Dienstwagens. Augenzeugen berichteten, Herr Đạt wurde mit Elektroschock auf Kopf und Rücken geschlagen, dass dieser für kurze Zeit sein Bewusstsein verlor. Die Misshandlung hörte erst auf, als sich die beiden anderen Reporter und Passanten sich einschreiten. Knapp 3 Stunden später kamen Polizisten von Distrikt Hà Đông, um den Fall aufzunehmen. Solange lag der schwerverletze auf der Straße und hat mehrmals erbrochen. Selbst in der Gegenwart von Polizisten von Distrikt Hà Đông kreischten irgendwelche Männer herum, provozierten und bedrohten die Zeugen, die gerade dabei waren, Aussagen zu machen. Gegen 2 Uhr morgens waren die Polizisten mit ihrer Arbeit fertig. Erst danach durfte das Opfer in ein nahliegende Krankenhaus eingeliefert werden.

Nachdem mehrere Zeitungen empört über die Misshandlung von Reporter Đạt berichteten, entschuldigte sich 5 Tage später Frau Tran Thi Hong Khiem -Leiterin der Zeitung "Tuổi Trẻ Thủ Đô"- in einer schriftlichen Erklärung beim Propaganda-Amt von Hanoi mit folgendem Inhalt:
1. Herr Đạt sei zwar Mitarbeiter aber noch in der Probezeit.

2. Herr Đạt hätte nicht vom Chef-Redakteur den Auftrag erhalten, Berichterstattung in der Gemeinde Văn Quán zu machen.

3. Herr Đạt habe den Ruf der Zeitung beeinträchtigt, weil er in seiner Strafanzeige sich als Mitarbeiter von "Tuổi Trẻ Thủ Đô" ausgegeben habe.

Wegen Kritik in Sachen Pressefreiheit hat der vietnamesische Informationsminister Nguyễn Bắc Son in einer Regierungserklärung Ende April folgendes mitgeteilt:"In Vietnam gibt es derzeit 838 Zeitungen jeder Art vom Druck-, Bild-, Sprech- bis zu Online-Zeitungen. Die Welt behauptet, es gebe bei uns keine Pressefreiheit, aber mit Sicherheit gehört Vietnam zu den Ländern mit den meisten Pressefreiheiten, weil wir über alle Arten von Zeitungen verfügen, vom Lokal bis zum Zentral und von Ministerien bis zu den Ämtern, und auch für jedes Alter. Viele Länder verfügen nicht über so viele Fernsehsender wie wir".

Die Informationsbehörde von Herrn Son hat am 09.07.2015 beschlossen, eine Geldstrafe gegen die beiden Zeitungen "Đời sống" (Leben) und "Pháp luật" (Gesetz) wegen Verstöße zu verhängen und vorübergehend den Betrieb für 3 Monate einzustellen. Die beiden Zeitungen hatten am 06.07.2015 den Lebenslauf vom Phung Quang Thanh veröffentlicht, nachdem der Verteidigungsminister seit über Monaten sich nicht mehr in der Öffentlichkeit zeigte und kochten die Gerüchteküchen Ende Juni 2015 bei zahlreichen vietnamesischen Zeitungen im Ausland über einen Mordanschlag während seines Frankreichbesuchs bis hin zum Asylgesuch in den USA berichtet hatten. Selbst bei wichtigen Ereignissen von der Armee und Regierungssizungen vertrat ihn sein Vize. Anfang Juli 2015 zitierten dann staatliche Medien die Angaben von der Regierung und berichteten von einem Aufenthalt in Frankreich zur Behandlung einer Lungengeschwür.

In der kommunistischen Kultur Vietnams darf der Lebenslauf eines hohen Funktionärs nur erst nach seinem Tod veröffentlicht werden. Der Verteidigungsminister war wegen seinem Vermögen ebenfalls Zielscheibe der mysteriösen Website Chan Dung Quyen Luc. Auf dieser Website wurde die Erkrankung des vor Kurzem verstorbene Regierungsinspekteur Nguyen Ba Thanh durch Vergiftung spekuliert.

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Hoi An
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Anmeldungsdatum: 09.05.2012
Beiträge: 234


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BeitragVerfasst am: 22.11.2015, 09:44    (Kein Titel) Antworten mit ZitatNach oben

Das vietnamesische "Parlament" hat dieses Jahr sehr hart gearbeitet, konnte dennoch das geplante Demonstrationsgesetz zum 3. Mal nicht verabschieden und musste es in 2016 verschieben. Das gilt ebenfalls für das Gesetz zur Gründung von Vereinen. Parlamentarier Do Van Duong lehnte die Einführung des Rechts auf Schweigen ab mit dem Argument, dass dies kein Menschenrecht sei. Verdächtige werden deshalb beim Verhör von Polizisten gefoltert, damit sie (aus)sagen, anstatt Belastungsbeweise gegen sie zu suchen und vorzulegen.

Nach amtlichen Angaben starben 226 Menschen allein zwischen 2011 und 2014 während des Polizeigewahrsams. Die Behörden gaben stets Krankheiten und Selbstmord als Todesursache an. Der jüngste Fall war am 05.11.2015. Das in 1997 geborene Opfer Nguyễn Quốc Tịnh wurde wegen Diebstahl- und Betrugsverdacht am 17. August verhaftet und befand bis zu seinem Tod in "Untersuchungshaft". In einem anderen Fall erfuhren die Eltern erst von der Gefängnisleitung, das ihr Sohn bereits vor 16 Monaten an HIV starb, als sie ihn im Gefängnis besuchen wollten.

Am 20.10.2015 wurde Arbeiterin Lại Thị Thu von Polizisten 2 Stunden lang mit Fäusten, Füßen und Schlagstöcken gefoltert, weil die 23-Jährige nicht zugab, das Handy von einer Kollegin geklaut zu haben. Dank Aufzeichnung von Überwachungskameras wurde die Unschuld von Frau Thu bewiesen. Ein Polizei-Vertreter gab Frau Thu daraufhin einen Geld-Umschlag mit der Aufforderung, keine Anzeige gegen die Polizei zu erstatten. Frau Thu lehnte dies jedoch ab. Das ganze gelang erst an die Öffentlichkeit, als die Unschuldige wegen Schwächelanfall ins Krankenhaus eingeliefert wurde. Ärzte stellten Verletzungen am Kopf, Bauch und Oberschenkel fest.

Vor 5 Wochen starb der 17-Jährige Đỗ Đăng Dư, der angeblich 1,5 Mio. Dong vom Nachbar entwendet haben soll, im Polizeigewahrsam. Polizei behauptet, das Opfer sei vom Mithäftling geschlagen. Obduktion wies innere Verletzungen auf. Polizei erlaubte der Mutter des Opfers nicht ihren toten Sohn zu sehen. Gäste, die der Familie Trost spenden wollten, wurden von Stasi-Männern mit Gewalt aus dem Elternhaus des Opfers vertrieben. Daraufhin setzte sich Mutter des Opfers vor die Haustür und klagte Als mein Sohn das Haus verließ, war er kerngesund. Jetzt kehrte er in einem Sarg heim. Da traut ihr euch auch noch hierher zu kommen?. Ein Stasi-Mann drohte den Besuchern noch beim Verlassen des Hauses mit: Sieh zu, dass ihr sofort aus meinem Revier verschwindet

Lieutenant-General Chung, Polizeichef, Vize-KP-Chef von Hanoi und Parlamentsabgeordnete zugleich, der nächsten Monat auch noch den Posten Vorsitzender von Stadt Hanoi bekommen wird, rechtfertigt die Einsperrung des Jugendlichen als rechtsmäßig. Eltern des Opfers hatten Rechtsanwalt Tran Thu Nam beauftragt, sie gerichtlich zu vertreten. Doch kurz später teilten sie Anwalt Nam telefonisch mit, die Polizei habe sie gezwungen, keinen Anwalt zu nehmen. (In Vietnam stellt die Polizei die Genehmigung aus, damit ein Rechtsanwalt seinen Mandanten gerichtlich vertreten darf). Daraufhin fuhren die beiden Rechtsanwälte Nam und Luan zu ihnen nach Haus, um über diesen Sachverhalt zu klären.

Nach dem Besuch wurden sie auf der Heimfahrt von 8 überwiegend vermummten Männern angehalten, aus dem Auto heraus gezerrt und krankenhausreif geschlagen. Auch als die beiden Anwälte zufuß in die sumpfigen Reisfelder flüchteten, hörten die Angreife trotzdem nicht auf, sie weiter zu verfolgen und zu verprügeln. Anwohner sollen beobachtet haben, wie 2 Männer auffällig vor dem Haus lauerten, während die beiden Anwälte sich im Haus ihres Mandanten aufhielten. Die beiden Rechtsanwälte Nam und Luan wollen unter den gewalttätigen Männern einen Gemeindepolizist wieder erkannt haben. Und auch das Smartphone von Anwalt Luan soll von Angreifern mitgenommen sein.

Auf der Pressekonferenz, zu der die beiden Rechtsanwälte nicht eingeladen waren und auch nicht erscheinen durften, gab die Polizei an, dass es sich bei den Angreifern um Bauern in der Region handele, die sich verärgert fühlten, weil das Auto von den Anwälten beim Vorbeifahren Staub auf sie aufgewirbelt hätte. Die Attacke war also nicht vorher geplant. Die Bauern hätten auch kein Smartphone mitgenommen. Dieses könne irgendwo während der Flucht verloren gegangen sein. Aussagen der Anwohner zufolge wurde es nach dem Übergriff doch von zwei Angreifern mitgenommen. Entgegen der Überzeugung von Anwalt Nam und Anwalt Luan, den Gemeindepolizisten unter den Angreifern wieder erkannt zu haben, gab die Untersuchungsbeamten an, dieser sei zu jenem Zeitpunkt nur zufällig vorbei gefahren, aber nicht an dem Übergriff beteiligt.
Nach eigener Darstellung des beschuldigten Polizisten sei er an jedem Tag gegen 14 Uhr auf dem Weg von zuhause ins Revier. Vor dem Baustoffgeschäft sah Polizist Cuu 5-6 Männer am Ziegelhaufen stehend und hielt nichts für Ungewöhnliches. Bis Frau Mai (Mutter des in Polizeigewahrsam gestorbenen 17-Jährigen) gegen 15 Uhr ins Revier kam und darüber Meldung machte. Gegen 17 Uhr erschienen er und weitere Gemeinde-Polizisten am Tatort. Noch während der Befragung durch den Polizei-Chef zeigten die beiden Rechtsanwälte auf Polizist Cuu und sagten, dieser habe die Autotür aufgerissen, damit die anderen sie angreifen.

Nach Meinung der beiden Anwälte sei die Polizei-Mitteilung nicht sachlich und nur aus Sicht der Angreifer dargestellt. Sie wandten sich deshalb in einem Brief an den Lieutenant-General Chung und baten ihn um ein persönliches Gespräch, sowie strafrechtlich gegen die Angreifer zu ermitteln. Es gibt angeblich von dem Übergriff auch eine Videoaufzeichnung aus der Überwachungskamera des Baustoffgeschäfts. Aber davon will die Polizei keinen Gebrauch machen.
Die Polizei wollte zuerst eine Ermittlung gegen die 8 Männer vom ärztlichen Befund abwarten, obwohl die Verletzungen ziemlich eindeutig sind. Lieutenant-General Chung, Polizei-Chef von Hanoi, äußerte zu dem Vorfall mit: Chuong My ist eine komplizierte Gegend. Die Anwälte hätten vorher der Polizei über ihren Besuch melden sollen, um Polizei-Schutz zu bekommen.

Die zögerliche Haltung des Hanoi-Polizei-Chefs trotz Ermittlungsaufforderung vom Vietnamesischen Anwaltsverband hat für Unzufriedenheit und Zweifel unter den Rechtsanwälten ausgelöst. Als fast eine Woche vergangen und die Täter immer noch unbestraft herum liefen, kündigte Anwalt Tran Vu Hai am 11.11.2015 an, mit 200 Rechtsanwälten auf den Amtssitz des Polizeichefs von Hanoi zu marschieren, sollte die Sache nicht abschließend geklärt wird. Am 12.11.2015 erschienen 10 Männer in Zivilkleidung in der Früh vor seine Haustür und forderten Anwalt Tran Vu Hai auf, mit ihnen ins Polizeirevier zu fahren. Anwalt Tran Vu Hai lehnte diese Aufforderung jedoch ab, weil er nicht wusste, wer diese Männer sind. Daraufhin zerrten ihn die Männer vor Augen seiner Frau und seinem Sohn (ebenfalls Rechtsanwalt und derzeit in den USA arbeitet) ins Auto und fuhren davon. Aufgrund der Verschleppung weigerte Anwalt Tran Vu Hai dem Polizei-Revier jede Art von Befragung und drohte mit einem Hungerstreik.

Zahlreiche Bürger haben sich daraufhin vor dem Polizeirevier die Freilassung von Rechtsanwalt Tran Vu Hai gefordert. Unter den Demonstranten war auch ein bekannter Gesicht aus der Deutschen Botschaft zu sehen, und das war Herr Felix Schwarz. Möglicherweise hat seine Anwesenheit dafür gesorgt, dass die Demonstration nicht gewaltsam aufgelöst wurde, und dass Anwalt Tran Vu Hai nach 14 Stunden freigelassen wurde. Anwalt Tran Vu Hai vermutet, dies sei ein Racheakt von Leutnant-General Chung. Noch auf dem Polizeirevier hat er Anzeige gegen seine Festnahme erstattet. Wie Rechtsanwälte Tran Thu Nam, Le Van Luan und Tran Vu Hai gehären zu den wenigen Rechtsanwälten in Vietnam, die sich bei „sensiblen“ Prozessen z.B. wie Prozess gegen die Dan Oan (unterdrückte Bürger) oder gegen Menschenrechtsaktivisten engangieren.

Auf Druck der Öffentlichkeit will die Polizei jetzt doch Ermittlung gegen die Angriefer einleiten.

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Hoi An
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BeitragVerfasst am: 20.04.2016, 07:01    (Kein Titel) Antworten mit ZitatNach oben

Vietnamesische Polizisten haben wirklich nicht leicht in ihrem Job. Wenn sie nichts tun, dann bekommen sie Ärger von ihren Chefs. Wenn sie aber zu fleißig sind, oder zu hart gegen die Gesetzebrecher angehen, dann werden sie von der Bevölkerung als unmenschlich angeprangert.

Neuerlich versuchte ein Straßenhändler, Gua-Früchte in einem Moped-Anhänger auf einem Marktplatz von Ho-Chi-Minh-City zu verkaufen. Ein Polizist forderte den 27-Jährige daraufhin auf, ihm wegen diesem "Vergehen" ins Polizei-Revier zu folgen, weigerte dieser sich. In Vietnam endet eine Anhörung auf dem Polizeirevier oft mit tödlichem Ausgang. Am 25.03.16 bekam Frau H’Er aus Provinz Dak Lak einen Telefonanruf, sie solle ins Krankenhaus kommen, um die Leiche ihres Mannes abzuholen. Ihr Mann Y Sík Niê wurde vor 3 Monaten wegen Diebstahl festgenommen. Obduktion weist schwere Verletzungen in inneren Organen auf. Magen und Darm des 4-fachen Vaters waren völlig leer.

Wahrscheinlich hatte der Straßenhändler große Angst davor, deshalb seine Verweigerung. Ohne lange Diskussion und ohne langes Zögern zeigte der Polizist seine Kampfkunst, die er bei seiner Polizei-Ausbildung gelernt hat. Als der Straßenhändler wehrlos auf dem Asphalt lag, trat der Volkspolizist mit dem Fuß gegen seinen Kopf, der dann auf den Asphalt prallte. Wenn nicht die Passanten sofort zwischen gegangen wären, wäre bestimmt noch Schlimmeres passiert. Der Straßenhändler bekam dadurch nur eine schwere Gehirnerschütterung mit Blutung. Ärzte prüfen zurzeit, ob eine Gehirnoperation erforderlich ist.

Im Telefon-Interview mit BBC teilte die Frau des Obststrassenhändlers mit, ihr Mann und der Polizist kannten sich. Der Polizist habe von ihrem Mann eine monatliche Zahlung in Höhe von 700000 Dong verlangt, wenn er Obst auf diesem Markt verkaufen will. Ihr Mann konnte nicht, weil er im Monat nur ein paar Millionen Dong verdiene, und ein Großteil davon für Miete und Lebensunterhalt zahle. Und das könne der Grund des Übergriffes sein. Polizeibeamter Ha soll inzwischen vorübergehend vom Dienst suspendiert sein.

Ebenfalls vom Dienst vorübergehend suspendiert wurde ein anderer Polizeibeamte, der seinen Chef beim Pokern um Geld mit drei anderen Kollegen im Büro während der Arbeitszeit gefilmt und ins Internet gestellt hatte. Die Polizei von Provinz Hải Dương will mit der Suspendierung des Polizisten untersuchen, was die Beweggründe waren, die den Polizist dazu gebracht haben, seinen Chef beim Pokern zu filmen und ins Internet zu stellen.

Ebenfalls vom Dienst vorübergehend freigestellt wurde Polizeibeamter Nguyễn Văn Bắc vom Kreis Dong Da, Stadt Hanoi. Mit dem Vorwand ein gesuchter Täter könnte sich irgendwo versteckt sein, versuchte Polizist Bac sich am Spätabend des 08.04.2016 Zugang in die Wohnung einer jungen Frau zu verschaffen. Als die allein lebende Frau weigerte, die Wohnungstür zu öffnen, spuckte der Polizeibeamte noch beim Wortwechsel ihr ins Gesicht durch die Türspalte.

Smartphone sind in Vietnam für manche sehr nützlich, für manche andere aber recht gefährlich.

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Hoi An
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Anmeldungsdatum: 09.05.2012
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BeitragVerfasst am: 07.10.2016, 18:15    (Kein Titel) Antworten mit ZitatNach oben

Vietnamesische Polizei unter dem kommunistischen Regime gilt als Schutzschild und Schwert für die KPV. Polizisten genießen daher hohe Privilegien und größte Macht in der Gesellschaft. Diese erlauben ihnen oft über dem Gesetz zu stehen: Am Morgen 23.09.16 entdeckten Bürger einen Toten unter einer Brücke in Hanoi. Auf der Brücke stand ein verlassenes Taxi. Man vermutet, dass der Taxifahrer Selbstmord begangen hat. Kurz später erschien Polizisten und sicherten den Ort. Auch zahlreiche Journalisten kamen, um Berichterstattung zu machen. Doch als die Journalisten versuchten dem Ort anzunähern, wurden sie von unbekannten Männern in Zivilkleidung verhindert.

Die Journalisten protestierten und wollten wissen, wer diese Männer sind. Anstatt sich auszuweisen beschimpften und pöbelten die Männer in Zivilkleidung die Journalisten an. Die Journalisten suchten daraufhin Hilfe bei einem Uniformierten. Anstatt den Journalisten zu helfen, wies der Uniformierte sie zurück. Als die Journalisten dennoch aus einer 30 Meter Entfernung versuchten zu filmen, griffen die Männer in Zivilkleidung sie an. Journalist Quang Thế von "Tuổi Trẻ" (eine der populärsten vom Staat gelenkten Zeitungsagenturen in Vietnam) wurde in den Mund und auf den Kopf geschlagen und getreten. Seine Kamera wurde beinah aus der Hand gerissen.

Gewalttätige Polizei-Handlungen am helligen Tag und in aller Öffentlichkeit gegen Journalisten. Man könnte sich vorstellen, wie grausamer es wohl in Verhörkammern und hinter Gefängnismauern noch zugeht. Kein Wunder, dass immer wieder von Todesfällen während Polizeigewahrsam berichtet wird. Andere Journalisten hatten diese Gewaltszene festgehalten und darüber berichtet.

Trotz klarer Beweise anhand der Fotos und Augenzeugen erklärte Major Nguyễn Duy Ngọc in einem TV-Interview am 29.09.16, dass dies keine Gewalthandlungen seitens der Polizei war, sondern Polizist Hung habe während seiner "Pflichtausübung" nur den "Arm ausgestreckt" und dabei die Hand versehentlich die Wange vom Journalist Quang The "berührt". Polizist Hung habe zwar mit seinem Fuß in Richtung des Journalisten getreten, der Tritt habe den Journalisten jedoch "nicht getroffen". Und Polizist Thuyen habe nur die Kamera weggeschubst. Der Vize-Polizeichef von Hà Nội warf dem Journalisten zudem noch vor, trotz Aufforderung seiner Männer sich nicht als Journalist und mit "Berichterstattungserlaubnis" ausgewiesen zu haben.

Als wäre der Hohn mit der Erklärung des Vize-Polizeichefs von Hanoi über diese Angelegenheit noch nicht genug, überreichte die Polizei noch am selben Abend eine Strafzettel in Höhe von 14.500.000 Dong gegen Journalisten Quang The. Darin sind folgende Strafen aufgelistet:
- 2.000.000 Dong Strafe wegen Betreten verbotener Zonen mit Staatsgeheimnisaktivitäten
- 2.000.000 Dong Strafe wegen Fotografieren in Verbotszonen.
- 2.500.000 Dong Strafe wegen Beleidigung von Beamten
- 7.500.000 Dong Strafe wegen Missbrauch des Journalistenstatus, um rechtsmäßige Aktivitäten anderer Menschen zu behindern.
- 350.000 Dong Strafe wegen unerlaubten Parken des Motorrads auf der Brücke;
- 55.000 Dong Strafe wegen Verweigerung der Anordnung des Verkehrspolizei

Journalist Quang Thế teilte mit, dass er bis auf den Vorwurf mit dem Abstellen seines Motorrads auf der Brücke andere Strafen nicht akzeptiere, da er zu jenem Zeitpunkt nach dem "Journalisten-Gesetz" und "Landesgesetzen" gehandelt habe. Außerdem gab es weder Verbotsschilder noch Abgrenzungsbänder vom Tatort.

Polizisten üben nackte Gewalt nicht nur an Männer sondern auch Frauen aus. Gegen 20 Uhr des 29.09.16 wurde Frau Thu im Zentrum von Saigon von Polizist Hải blutig geschlagen und anschließend an den Haaren gezerrt. Erst durch Eingreifen von Anwohnern ließ dieser von der am Kopf stark blutenden Straßenhändlerin los und verschanzte sich mit Blut beschmierten Händen in seinem Polizeiwagen, weil Bürger sein Abhauen verhinderten. Die Behörden von HoChiMinh-Stadt verbieten den Straßenverkauf auf diesem Platz. Als Polizist Hải erschien, flüchteten alle Straßenhändler. Frau Thu wollte ihre Ware noch retten und war daher nicht schnell genug. Hier zeigt ein Straßenpolizist seine Künste.

Polizist ist einer der begehrtesten Beruf in Vietnam. Um einen Ausbildungsplatz zu bekommen, müssen die Bewerber nicht nur einen astreinen Lebenslauf vorweisen, sondern auch tief in die Tasche greifen. Trotzdem klappt es nicht immer reibungslos. 10 Familieneltern haben gestern Anzeige gegen Polizei-Major Y Tuyến Ksơr erstattet, da der stellv. Leiter der Abteilung PC64 von Provinzpolizei Dak Lak Bestechungsgelder in Höhe von 3,16 Milliarden Dong angenommen hatte, aber ihren Söhnen keinen Ausbildungsplatz wie versprochen besorgt.
Wegen der lebenswichtigen Bedeutung der Polizei für die KP ist nun zum ersten Mal in der Geschichte der Generalsekretär der KPV, Staatpräsident und Ministerpräsident zusätzlich auch noch zum KP-Stab der Zentrallandespolizei für 2015-2020 ernannt worden. Nach dem Motto: Sicher ist sicher!

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BeitragVerfasst am: 08.10.2016, 18:16    (Kein Titel) Antworten mit ZitatNach oben

Und, ist denn etwas Näheres über die Leiche unter der Brücke bekannt? Wenn da so ein Geheimnis drum gemacht wird, dann weckt das natürlich erst recht das Interesse.

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BeitragVerfasst am: 04.05.2017, 19:09    (Kein Titel) Antworten mit ZitatNach oben

Das hier ist keine Thai-Kickboxing-Show sondern nur eine der vielen Gewalttaten, welchen Andersdenkende, Menschenrechtsaktivisten und Umweltschützer in Vietnam ständig ausgesetzt sind. Es geschah am 02. April in einer Wohnung in Ho Chi Minh-Stadt, als Frau Lê Mỹ Hạnh aus Hanoi dort bei ihren Freundinnen zu Besuch war, und plötzlich ein Dutzend nicht gekannte Leute in die Wohnung eindrangen, ohne Vorwarnung Pfefferspray auf ihre Peinigen sprühten und anschließend mit Tritten und Fäusten auf die drei Frauen losgingen.

Früher versuchten die Gewalttäter immer, mit einem Mundschutz unerkannt zu bleiben. Heute nicht. Die Angreifer von Dienstag haben die Gewaltszene sogar gefilmt und das Video auf ihrem Facebook veröffentlicht. "Das war nur die Begrüßung für die Anhängerin der Gelben Fahne mit 3 roten Streifen auf dem Boden von Saigon. Gibt’s noch jemanden, der/die die Führung des Landes beleidigen oder mit Verleumdung und Anstiftung das Regime zum Stürz bringen will? Der/die soll sich melden" (Màn chào mừng thành viên cờ vàng 3 sọc đỏ Lê Mỹ Hạnh tại đất Sài Gòn! Còn thằng 3 que nào muốn xuyên tạc, kích động, lăng mạ lãnh tụ , bạo loạn lật đổ nữa thì cứ lên tiếng) kommentierte Phan Sơn Hùng, Hauptangreifer die Gewaltszene auf seinem Facebook.

Trotz klarer Beweise für eine Ergreifung hat die Polizei erst heute (04.05.) Phan Sơn Hùng zur ersten Anhörung vorgeladen. Sie will noch vom Ergebnis des ärztlichen Attests abwarten, ob die Verletzungen ausreichen für eine Anklage, hieß es. Zeitungsberichten zufolge gab Phan Sơn Hùng die Gewalttat an die 3 Frauen bereits zu, ohne seine Motive zu nennen. Sprecher der Polizei von Ho Chi Minh-Stadt warnt dennoch vor "feindlichen Anmutungen" der Hintergründe des Angriffs durch "schlechte Personen".

Phan Sơn Hùng gab auf seinem Facebook an, mit einem Stasi-Major gut befreundet und dem Regime treu zu sein. Auf diese Frage, ob es damit einen Zusammenhang mit den Motiven des Täters gebe, streitet der Polizei-Chef von Ho Chi Minh-Stadt ab, das seine Behörde damit Hung etwas zu tun habe.

Es gibt jedoch Paralelle. Am 30. April demonstrierte eine Handvoll Menschen in Hanoi gegen Formosa. Plötzlich erschien ein junger Mann. Dieser beschimpfte und beleidigte die Demonstranten. Als es ihm nicht gelang, die Demonstranten von dem Protest abzubringen, wurde er gewaltätig. Dieser Akt dauterte Minuten lang. Dennoch war weit und breit keine Polizei zu sehen, obwohl das Ganze mitten in Hanoi geschah. Und obwohl das Gesicht vom Angreifer klar gut genug zu erkennen war, gibt es keine Ermittlung gegen ihn.

Der Vorfall vom 02.05. war bereits der 2. Angriff auf Frau Hạnh innerhalb eines Monats. Am 04.04. war Frau Hạnh mit einigen Gleichgesinnten während eines Laufs für den Umweltschutz von Unbekannten mitten auf der Strasse angegriffen.

Nach Angaben von Frau Hanh zeigt das Video nur den ersten Teil des Angriffes. Denn danach setzten die Angreifer ihren Angriff weiter mit dem Rest der Pfeffespray fort, dass sie kaum noch Luft bekam und für ca. 5 Minuten ohnmächtig wurde. Auch ihr Gesundheitszustand verschlechtere sich seit dem brutalen gemeinschaftlichen Angriff trotz Arztbesuch.
Auf die Frage von BBC auf die Anschuldigung des Angreiffers, sie sei eine "Konterrevolutionärin" und Anhängerin der Gelben Fahne, antwortet die Aktivistin: "Ich argiere eigenständig und benutze keine Fahne von irgendeiner Partei. Meine Freunde und ich wir setzen uns für Gerechtigkeit und Wahrheit ein, um eine Lösung für unsere Gesellschaft zu finden. Man bringt uns mit Konterrevolution in Verbindung, nur um unsere Ziele anzuschwärzen. Ich bin eine Nord-Vietnamesin, geboren nach 1975. Ich kenne weder die Gelbe Fahne noch deren Regierung. In meiner Familie gibt es viele KP-Mitglieder. Ich kämpfe nur für das Volk und unterstütze jenes Regime, das die Interessen des Volkes achtet."

In Vietnam bekennen sich immer mehr Menschen öffentlich zu der Gelben Fahne, ein Symbol der in am 30.04.75 gestützten Saigon-Regierung. Eine Nord-Vietnamesin stellt klar, dass Gelbe Fahne nicht nur allein den Süd-Vietnamesen gehört. Mit der Gelben Fahne im Hintergrund klärt Ex-Journalist Huynh Quoc Huy fast täglich die Zustände des Landes mit dem Lifestream auf. Ebenfalls mit der Gelben Fahne im Hintergrund wirft Aktivist Dang Solomon der KPV des Landesverats und die Massenermordung an Hue-Bevölkerung vor.

Dramatisch geht es mit Bauer Tha zu. Wegen seinen öffentlichen Kritiken an die KP wird sein Haus seit 3 Wochen tags und nachts von Stasi-Männern belagert. Sie kappten die Strom- und Wasserversorgung. Das Klo im Untergeschoß ist unter Kontrolle der Angreifer. Händler, die den 9-Köpfigen Familienhaushalt mit Lebensmitteln zu beliefern versuchten, wurden von der Polizei weggeschickt. Sein Haus, in dem auch eine 80-Jährige Frau, ein 4 Monate altes Baby und behindertes Mädchen zusammen mit Bauer Tha und weiteren 5 Familienmitgliedern leben, wird tags und nachts mit Steinen beworfen. Die Schlinge des Terrors zieht sich immer enger. Die Situation sei vom Tag zu Tag unerträglicher, teilte Bauer über Handy mit. Bauer Tha denkt dennoch nicht an Aufgeben, hofft auf Befreiuung von Außen und droht mit dem kollektiven Selbstmord, falls keine Hilfe kommt.

Am vergangenen 30. April anlässlich des 42. Jahrestages des Falls Süd-Vietnams sind in vielen Orten des Landes die Gelbe Fahne gesichtet worden, besonders viel in Provinz Vinh Long, wo Anhänger des Hoa Hao Buddhismus ständig von den Behörden unterdrückt sind. Die Polizei Provinz Vinh Long verdächtigte Herrn Nguyễn Hữu Tấn und nahm ihn in der Früh des 02.05. wegen "Verbreitung von Materialien gegen den sozialistischen Staat" fest. Nur wenigen Stunden später teilte die Polizei den Angehörigen des 33-Jährigen mit, dass der Familienvater während des Polizeiverhörs sich das Leben genommen haben. Und zwar mit einem Briefumschlagöffner, den Herr Nguyễn Hữu Tấn in der Tasche des Ermittlungsbeamten fand, als dieser den Raum gerade verließ, um Wasser für Herrn Nguyễn Hữu Tấn zu holen.
Nach Angaben der Polizei habe Herr Nguyễn Hữu Tấn sich mit diesem Briefumschlagöffner sich die Ader am Hals geschnitten. Angehörigen des Verstorbenen zufolge seien die Schnittwunden so tief, es fehle nur noch wenige Zentimeter, dann wäre sein Kopf komplett vom Hals abgetrennt.

Nach offiziellen Angaben kamen in den letzten 3 Jahren 226 Menschen im Polizeigewahrsam ums Leben.

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